blogrock

Die Welt im Visier

Die neuen Sklaven

| 31 Kommentare

Deutschland 1972, das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) wird erlassen. Der Grundstein zur Revolutionierung des deutschen Arbeitsmarktes ist gelegt.

Schrittweise wird in den Jahren 1985, 1994, 1997 und 2002 die maximale Überlassungsdauer erhöht, bis die Begrenzung 2004 schließlich ganz wegfällt.

Darüber hinaus fallen 2004 auch das Synchronisationsverbot und die Wiedereinstellungssperre weg. Was bedeutet, dass die Personaldienstleister, die wie Unkraut aus dem Boden sprießen, und uns als Ware handeln, einen Arbeitnehmer für die Entleihung an einen Einzelnen Betrieb einstellen und nach Wegfall des Auftrages, also der Stelle, einfach entlassen können. Außerdem kann das Unternehmen dank des Wegfalls der Wiedereinstellungssperre, denselben Mitarbeiter bei späterem Bedarf wieder einstellen.

Darüber hinaus sind die Kündigungsfristen, vor allem während der Probezeit, ein Witz. Während dieser meist sechsmonatige Phase, die man vielbesser als Produkttest für den Kunden des Personaldienstleisters beschreiben könnte, sind die Kündigungsfristen wie folgt gestaffelt.

Im ersten Monat zwei Arbeitstage.

Im zweiten Monat eine Woche.

Vom dritten bis zum sechsten Monat zwei Wochen.

Nach der Probezeit gilt dann üblicherweise eine Frist von vier Wochen zu jedem 1. oder 15. eines Monats, je nach Vertragsbeginn. Erst nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit verlängert sich die Kündigungsfrist.

Wem bringen diese Fristen Vorteile?

Ausschießlich den Personaldienstleistern! Im Normalfall gibt es innerhalb der Probezeit keine Kündigungsfristen, also schafft man ein Gesetz, um den Personaldienstleistern Zeit zu verschaffen, die Stelle bei Bedarf neu zu besetzen.

Ist man Leiharbeiter muss man mit häufig wechselnden Arbeitsplätzen zurechtkommen. Außerdem wird man schlecht bezahlt, muss trotz guter Ausbildung Hilfsberufe ausführen oder kommt auch mal in den Genuss als Fachkraft bezahlt zu werden, aber trotzdem Hilfsarbeiten auszuführen. Denn es gibt tatsächlich Unternehmen, die Fachkräfte einstellen, damit ihre Ablagekörbe den Weg in die Ordner finden, um Faxe zu versenden und auch mal einen Toilettendeckel zu wechseln oder Getränkekisten aus Konferenzräumen zu befördern. Wobei etwas mehr als 10,- Euro pro Stunde als Fachkraft auch nicht gerade viel sind. Bei einer 35 Stunden-Woche bleiben einem am Ende knapp 1000,- Euro. Davon kann ein Single gerade so leben, aber keine großen Sprünge machen.

Langsam kristallisiert sich heraus, dass wir Menschen für die Wirtschaft nicht mehr als eine Ware sind. Jetzt, da immer mehr Arbeitsplätze durch Maschinen besetzt werden und die technologische Arbeitslosigkeit immer mehr voranschreitet, werden immer neue Branchen geschaffen, um den Anschein zu erwecken, dass alles in Ordnung ist, also genug Arbeit für alle da ist. Gleichzeitig werden wir immer mehr versklavt.

Ja, wir sind Sklaven – eine Ware.

Personaldienstleister stecken sich einen Teil unseres Lohns ein und bieten ihren zahlenden Kunden im Gegenzug die Möglichkeit zur flexiblen Umbesetzung und Anpassung des Personalbestandes an den Personalbedarf. Obendrein entfallen für den Kunden des Personaldienstleisters, die arbeits- und kostenintensive Personalsuche, das Führen einer Personalakte, sowie die Entgeltabrechnung. Sollte eine Übernahme des Leiharbeiters in eine Direktanstellung erfolgen, kassieren die Personaldienstleister im Regelfall eine Vermittlungsprovisionen zwischen 1000,- und 3000,- Euro.

Mitte 2010 lag der Anteil der Zeitarbeitskräfte an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen laut der Bundesagentur für Arbeit bei 2,6 %, was bedeutet dass 707.000 Menschen in Leihbetrieben beschäftigt waren. Da dies ein Wachstumsmarkt ist, wird diese Zahl nicht zurückgehen, sie wird steigen.

Seit 2002 drängen darüberhinaus auch noch private Arbeitsvermittler auf den Markt. Nun befinden wir uns im Jahr 2011 und es ist kaum noch möglich eine Arbeitsstelle, oder besser gesagt einen Einkommensplatz zu bekommen, ohne von einem Personaldienstleister oder einem Arbeitsvermittler abkassiert zu werden.

Ich kann mich mit dieser Entwicklung nicht abfinden. Denn wie wird es meiner kleinen Schwester gehen, wenn sie in knapp 5 Jahren einen Ausbildungsplatz sucht. Wird sie dann für ihren Ausbildungsplatz zahlen müssen und wird sie, wenn sie das Geld nicht auftreiben kann, infolge dessen ein Leben in Armut führen müssen?

Da läuft was schief!

Ole

Autor: Ole

Ole, kennt das Leben und kümmert sich um den Rand der Gesellschaft.

31 Kommentare

  1. Pingback: reverse mortgage information

  2. Pingback: Best Car Insurance companies

  3. Pingback: Colored Solar Lights

  4. Pingback: debt relief company

  5. Pingback: Grocery Coupons

  6. Pingback: Diets that work

  7. Pingback: reverse mortgage loans

  8. Pingback: cutey fashion jewellery

  9. Pingback: morgan dollar history

  10. Pingback: Deliciously Chocolate

  11. Pingback: Driveway Contractors grimsby

  12. Pingback: Education jobs

  13. Pingback: best cellphones store online today's

  14. Pingback: online reputation repair

  15. Pingback: 11 Day Diet

  16. Pingback: intel 5520

  17. Pingback: hammaste ravi

  18. Pingback: hambaravi

  19. Pingback: hid kit

  20. Pingback: marijuana medical card online california

  21. Pingback: digital radio alarm clock

  22. Pingback: omegacabinets

  23. Pingback: Chris Malling

  24. Pingback: click

  25. Pingback: Boutique Hotels

  26. Pingback: Couvreur Zingueur dans le sud de la France

  27. Pingback: Instant twitter follower service

  28. Pingback: strony www

  29. Pingback: carpet cleaning tips

  30. Pingback: dvd gps

  31. Pingback: weight loss

Einen Kommentar hinterlassen

↑ Nach Oben